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Opferhilfe Hamburg - Hintergründe

Weiterentwicklung des Beratungskonzepts

Die Opferhilfe-Beratungsstelle ist eine Kriseneinrichtung. Unsere Aufgabe verstehen wir als die eines Krisenzentrums, das nach Gewalttaten oder Unfällen kurzfristig kompetente psychotherapeutische Hilfe anbietet.
Ein hoher Anteil der Menschen, der Kontakt aufnimmt, meldet sich relativ kurzfristig nach einem Gewalt- oder Unfallereignis oder wird noch fortlaufend bedroht. Aber auch wenn die Traumatisierung schon lange zurückliegt, ist der Grund für die Kontaktaufnahme häufig eine krisenhafte Zuspitzung der psychischen oder sozialen Situation. Der Schwerpunkt der therapeutischen Arbeit ist aus diesem Grund die Diagnostik und Stabilisierung und ggf. die Weiterverweisung der Betroffenen. Nur in Ausnahmefällen ist im Rahmen der Opferhilfe-Beratungsstelle aufgrund der eingeschränkten Stundenzahl (i. d. R. bis zu 10 Sitzungen) eine aufdeckende Traumabearbeitung möglich.

Unsere fachliche Weiterentwicklung

Das Beratungsteam der Opferhilfe-Beratungsstelle besteht aus approbierten psychologischen PsychotherapeutInnen mit unterschiedlichen Therapieausbildungen (Gestalt, systemischer Ansatz, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie).
Ressourcenorientiertes Vorgehen war auch in der Vergangenheit ein wesentlicher Bestandteil unseres therapeutischen Vorgehens. Durch die Auseinandersetzung mit den neueren Ansätzen der Traumabehandlung, insbesondere durch die Ansätze von Reddemann und Sachsse (1997, 1998, 2001) sowie von Shapiro (1998) wurden wir angeregt, unsere fachlichen Fähigkeiten und unsere jahrelange Berufserfahrung durch weitere Stabilisierungsverfahren und effiziente aber schonende Verfahren zur Traumakonfrontation zu ergänzen.
Im Jahr 2000 organisierten wir eine Tagung mit dem Titel: "Neue Ansätze in der ambulanten Traumatherapie" (s. Arbeitsbericht 2000). Unser Interesse war durch die neuen Fachpublikationen auf dem Gebiet der Traumatherapie geweckt worden und wir wollten durch unsere Tagung die fachliche Diskussion und den Austausch mit KollegInnen vertiefen. Vor allem aber wollten wir uns selbst anregen lassen, "Neue Wege" in der therapeutischen Arbeit zu gehen.
Unser Beratungsansatz hat sich seitdem weiter entwickelt, die theoretische Auseinandersetzung mit den Forschungsergebnissen in der Psychotraumatologie ist in die Praxis unserer Beratungsarbeit eingeflossen.

Bestärkt durch die Position von Reddemann und Sachsse (vgl. Aktuelle Standards der Traumabehandlung), setzten wir uns zunehmend mit der Gefahr der Retraumatisierung durch zu schnelles aufdeckendes therapeutisches Vorgehen auseinander. Als Konsequenz stellt die Opferhilfe-Beratungsstelle nun noch deutlicher als bisher, die psychische und soziale Stabilisierung von Gewalt- und Unfallopfern und ein ressourcenorientiertes Vorgehen ins Zentrum der therapeutischen Beratungsarbeit.
Mit dem Ansinnen von KlientInnen (und gelegentlich auch KollegInnen) an uns, durch Traumakonfrontation eine schnelle Heilung erzielen zu wollen, sind wir noch zurückhaltender geworden. Solange eine KlientIn nicht in der Lage ist, sich selbst zu trösten und ihre (oftmals autoaggressiven) Impulse und Affekte zu kontrollieren, wenden wir keine traumaaufdeckenden therapeutischen Interventionen an - zumal in einem ambulanten auf Kurzbehandlung ausgerichteten Setting.
Wir sehen unsere Aufgabe als Krisenzentrum schwerpunktmäßig in der Diagnostik und in der Unterstützung der psychischen und psychosozialen Stabilisierung der Betroffenen. In diesem Zusammenhang setzen wir ressourcenorientierte imaginativen Verfahren zur Stabilisierung regelmäßig ein.

Traumabearbeitung

Traumaexposition wenden wir bei chronisch traumatisierten KlientInnen nicht an. Hier sehen wir unsere Aufgabe in der Stabilisierung und Therapievorbereitung bzw. -motivation. Nur im Kontext einer längerfristigen Psychotherapie ist bei diesen KlientInnen, bei denen sehr häufig ausgeprägte Frühstörungsanteile vorliegen, aus unserer Sicht ein traumaaufdeckendes Vorgehen abzuwägen. Die Gefahr einer Retraumatisierung und damit einer Destabilisierung durch ein zu schnelles aufdeckendes therapeutisches Vorgehen erscheint zu groß und im Rahmen einer psychologischen Kurzberatung nicht indiziert.
Auch aus diesem Grund bieten wir keine therapeutischen Gruppen an, die einen traumaaufdeckenden Charakter haben. Wir unterstützen Betroffene, sich Lebenszusammenhänge zu schaffen, die der Stabilisierung, nicht der Traumakonfrontation dienen.

Wir haben den Eindruck, dass einige KollegInnen und KlientInnen eine zu hohe "Heilserwartung" an die sog. Traumatherapie haben - was immer sie darunter verstehen. Bei früh und anhaltend traumatisierten Menschen z. B. durch sexuellen Missbrauch in der Kindheit, ist nicht nur die mehrfache Traumatisierung als Ursache der psychischen Erkrankung anzusehen, sondern, meist im höheren Maße die emotionale Vernachlässigung, die zu ausgeprägten (frühen) Störungen führen kann (vgl. Richter-Appelt 1997). Bei dieser Klientel ist eine längerfristige Psychotherapie indiziert, in der dann sehr genau abgewogen werden muß, ob und wann ein traumaaufdeckendes Vorgehen indiziert ist.
Da wir diese Klientel nach der Krisenintervention in eine stationäre oder ambulante Psychotherapie weiter verweisen müssen, bemühen wir uns um einen guten Überblick über die entsprechenden stationären und ambulanten Behandlungsmöglichkeiten. Wir informieren uns über die therapeutischen Schwerpunkte von Psychotherapeutischen Kliniken und niedergelassenen KollegInnen.

Eine Ausnahme in unserem psychotherapeutischen Vorgehen bilden die sog. "Monotraumen", einmalige, meist kurze Traumatisierungen mit geringerem Bedrohungspotential, ohne Angriff auf die sexuelle Integrität (z. B. Raubüberfälle, einmalige Körperverletzungen, Unfälle usw.) ohne vorhergehende Traumatisierung oder psychische Vorerkrankung.
Hier ist abzuklären, ob eine Traumaaufdeckung, z. B. durch die Bildschirmtechnik (Reddemann/Sachsse 1997, 1998) oder durch den Einsatz von EMDR (Eye Movement Desensitization und Reprocessing) sinnvoll ist (vgl. Aktuelle Standards der Traumabehandlung).
Obwohl wir EMDR zunächst skeptisch gegenüber standen, haben wir uns in diesem Verfahren fortgebildet und tauschen uns mit KollegInnen im Rahmen einer Supervisionsgruppe regelmäßig aus. Die Praxis hat gezeigt, dass mit EMDR bei diagnostisch ausgewählten Fällen, erstaunlich gute Heilungserfolg erzielt werden können. Aus diesem Grund wenden wir EMDR bei der Behandlung von KlientInnen mit Monotraumen an. In anderen Fällen, insbesondere bei sexuellen Traumata, halten wir EMDR im Rahmen der Beratungsstelle wegen der Gefahr der Retraumatisierung nicht für indiziert.

Wir rechnen damit, daß sich der heutige Wissensstand in der Psychotraumatologie auch in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird. Dies bedeutet für uns, dass wir unsere therapeutische Praxis auch in den nächsten Jahren den aktuellen wissenschaftlichen Standards anpassen werden.




Hintergründe:
Politische Forderungen
Gewaltschutzgesetz
Wer kommt zu uns
Psychologische Hilfe für Unfallopfer
Aktuelle Standards der Traumabehandlung
Weiterentwicklung des Beratungskonzeptes

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