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Opferhilfe Hamburg - Hintergründe

Wer kommt zu uns?

Im Jahr 2013 suchten insgesamt 835 Ratsuchende erstmals bei uns Rat und Unterstützung, davon waren 75 % Frauen und 25 % Männer. Bei den direkt betroffenen Opfern waren 434 weiblich und 129 (23 %) männlich. Hier ist der Anteil der Frauen etwas höher. Opfer machen 67 % der Ratsuchenden aus.

Angehörige von Gewaltopfern stellen 16 % aller Ratsuchenden. In dieser Gruppe sind Männer überproportional vertreten.

In 13 % der Fälle fragt eine Institution für Betroffene an bzw. MitarbeiterInnen anderer Institutionen suchen Rat und Unterstützung für sich im Umgang mit gewaltbetroffenen Menschen.

Zeugen stellen mit sieben Anfragen eine sehr kleine Gruppe dar. Das hat sicher auch seinen Grund in der hochwertigen Zeugenbetreuung an den Amtsgerichten bzw. am Landgericht. TäterInnen werden von uns direkt an spezielle Beratungsstellen verwiesen.

Alter

Hauptaltersgruppen sind die 22 - 50jährigen. Der Anteil junger Menschen bis zu 20 Jahren ist in den letzten Jahren gesunken. Wir verweisen die meisten Ratsuchenden, die nicht zu unserer Zielgruppe gehören, verstärkt an Beratungsstellen, die nach KJHG gefördert werden.

Die Gruppe der über 60jährigen ist in der Beratungsstelle nur gering vertreten.

Die Altersstruktur unserer Klientel entspricht ungefähr der für Gewaltopfer in der polizeilichen Kriminalstatistik.

Migrationshintergrund

Seit 2010 erfragten wir die ethnische Herkunft. 19% unserer Ratsuchenden des Jahres 2013 haben einen Migrationshintergrund. Das entspricht in etwa der Verteilung in der Hamburger Bevölkerung.

Angaben in Prozent

Zugangswege

Auch 2013 fanden die Ratsuchenden wieder auf sehr vielfältige Art und Weise in die Beratungsstelle.

Hauptzugangsweg ist wie im Vorjahr mit großem Abstand das Internet. Immer noch sind hier Steigerungen zu beobachten. Mittlerweile findet mehr als 40% der Ratsuchenden so zu uns, bei männlichen Ratsuchenden sind es sogar mehr als die Hälfte. Unser umfangreicher Internetauftritt informiert detailliert und umfassend über unser Angebot und das dahinter stehende Beratungskonzept. Bei der Recherche im Internet über Suchmaschinen findet sich unser Eintrag stets unter den ersten Treffern.

Knapp jeder vierte Ratsuchende erhielt Hinweise auf die Opferhilfe durch Beratungsstellen in freier oder staatlicher Trägerschaft.

Die Verweise durch die Polizei liegen bei 8%. Bei dieser Zahl ist jedoch zu beachten, dass weit weniger als die Hälfte unserer Ratsuchenden Anzeige erstattet und damit Kontakt zur Polizei hatte. Bezogen auf die Ratsuchenden, die angezeigt haben, beträgt der Anteil der Verweise durch die Polizei etwa 20%.

Jeder zehnte Ratsuchende kam durch Mundpropaganda zu uns. Häufig verbergen sich dahinter ehemalige Ratsuchende, die uns weiterempfehlen, was wir als Erfolg unserer Arbeit werten.

Die Verweisungen aus dem Gesundheitswesen sind auf hohem Niveau bei 12% geblieben. Das zeigt unsere gute Vernetzung mit dem medizinischen Bereich.

Die breite Streuung der Zugangswege zeigt, dass es uns gelungen ist, die Opferhilfe-Beratungsstelle auf vielfältigste Art und Weise bekannt zu machen.

Zeit zwischen Tat und Anmeldung

Gut die Hälfte (52%) der Ratsuchenden sehen wir innerhalb eines Monats nach der Tat. Weitere 10% melden sich in den nächsten 6 Monaten. Das ist der Bereich der Akutbetroffenen. Bei einem Viertel der Ratsuchenden liegt die Tat schon 10 Jahre oder länger zurück. Hierbei handelt es sich fast immer um sexuellen Missbrauch oder Misshandlungen in der Kindheit oder Jugend, die die jetzt erwachsene Ratsuchenden erlitten haben.

Eine kleine Gruppe (17%) von Ratsuchenden ist im Zeitraum von einem halben Jahr bis hinzu 10 Jahren Opfer geworden. In der ersten Gruppe der Akutbetroffenen, steht die Tat und ihre Folgen sehr im Vordergrund. Oft ist Krisenintervention notwendig. Aber auch wenn die Tat schon länger zurückliegt, wie in den anderen beiden Gruppen ist meist eine krisenhafte Zuspitzung der Lebenssituation Anlass, in die Beratung zu kommen.

Delikte

Die zahlenmäßig größte Gruppe ist der Deliktbereich häusliche Gewalt (200 Ratsuchende).

Wegen sexuellen Missbrauchs sucht fast jede vierte Frau, jeder siebte Mann die Beratungsstelle auf (172 Ratsuchende). Dieser Deliktbereich ist auf hohem Niveau stabil geblieben. Ursache dafür ist sicher die intensive öffentliche Diskussion über Missbrauchsfälle in kirchlichen und staatlichen Institutionen in den 50er und 60er Jahren und die aktuelle Aufdeckung von Missbrauchsfällen im kirchlichen Bereich.

Die intensive öffentliche Diskussion wirkte auf andere Betroffene in vielen Fällen als Trigger, sodass sie zunehmend instabil wurden und sich bei uns in einer Krise meldeten.

Unser sehr therapeutisch orientiertes Angebot, unser hohes Fachwissen z. B. auch für den Umgang mit komplex traumatisierten Menschen und das in Hamburg kaum vorhandene Angebot für männliche Opfer sexualisierter Gewalt macht unser Beratungsangebot für Betroffene sehr attraktiv.

Die größte Gruppe, der Deliktbereiche Gewalt in Ehe und Partnerschaft, ist seit vielen Jahren der Beratungsschwerpunkt der Opferhilfe.

Die Fallzahlen sind in diesem Deliktbereichen gegenüber den letzten Jahren wieder angestiegen. Das Thema häusliche Gewalt war in den letzten Jahren in der öffentlichen Wahrnehmung durch die Berichterstattung über sexuellen Missbrauch etwas in den Hintergrund gedrängt worden. Von den 200 Opfern häuslicher Gewalt lebten 5 in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.

Weiter gestiegen sind die Fallzahlen im Bereich der Bedrohungsdelikte (Bedrohung, Nötigung, Erpressung, Belästigung, Beleidigung, Stalking) mit 120 Fällen. Es handelt sich oft um Beziehungstaten, die in Zusammenhang mit früheren Partnerschaften/Ehen stehen. Daher sind häufig Ex-Partner die Täter.

Durch die Einführung des Straftatbestandes der „Nachstellung“ (§ 238 StGB) im Jahr 2007 hat sich die rechtliche Situation von Stalking-Opfern entscheidend verbessert, verbargen sich hinter Stalking doch oft strafrechtlich kaum relevante Tatbestände wie Sachbeschädigung, Beleidigung oder Belästigung. Auch der Polizei waren in vielen Fällen die Hände gebunden und sie konnte nicht einschreiten. Nicht zuletzt die breite Diskussion in der Öffentlichkeit über dieses neue Gesetz beeinflusst die Beratungszahlen.

Bei Körperverletzungen und Raub sind überproportional männliche Opfer vertreten. Der Anteil der Fremdtäter ist sehr hoch.

Die Zahl der Tötungsdelikte ist zwar insgesamt zahlenmäßig nicht so groß (25 Ratsuchende), jedoch ist bei diesen Fällen oft eine intensive Betreuung notwendig, die im Rahmen des durch Zuwendung finanzierten Bereichs gar nicht geleistet werden kann.

Eigentumsdelikte spielen eine immer geringere Rolle (insgesamt 21 Fälle).

Bekanntheitsgrad des Täters und Täter-Opfer-Beziehung

In 80% der Fälle konnte der Täter ermittelt werden bzw. war bekannt. Überwiegend handelt es sich um Beziehungstaten. Nur in 16% der Fälle war der Täter ein Fremder. Diese Zusammensetzung erklärt sich zum einen aus unseren Beratungsschwerpunkten sexueller Missbrauch, häusliche Gewalt und Bedrohungsdelikten und zum anderen daraus, dass Gewalttaten sich in der Regel zwischen Menschen ereignen, die einander kennen.

Tätergeschlecht

Dieses Merkmal wird erst seit 2010 erfasst. Die Mehrheit der Täter sind männlich (72%), nur 9% sind weiblich. Bei den männlichen Opfern liegt der Anteil von Täterinnen deutlich höher (15%) als bei den weiblichen Opfern (7%).

Anzeigenerstattung

Nur 40% der Ratsuchenden, von denen uns Angaben vorlagen, hatten die Tat angezeigt. Auch wir können den in der Literatur oft angeführten Zusammenhang zur Täterbeziehung bestätigen: Je enger die Beziehung zwischen Täter und Opfer ist, desto geringer ist die Anzeigenbereitschaft des Opfers. Menschen, die zu uns kommen, sind eher dem statistischen Dunkelfeld zuzurechnen. Sie scheuen den Kontakt zu Polizei oder Justiz, weil sie von dort keine Lösung ihrer Konflikte erwarten.

Anzahl der Beratungsgespräche

Insgesamt wurden im Berichtszeitraum 1709 Beratungsgespräche geführt, davon 891 am Telefon und 20 via Internet. Damit wurden die Vorjahreszahlen wieder erreicht.

Die ständig steigende Anzahl der Ratsuchenden und die wachsende Zahl der Beratungskontakte trifft leider auf eine stagnierende personelle Ausstattung. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Setting

Die allermeisten Gespräche finden als Einzelgespräche statt (85%). Bei 88 Ratsuchenden (10%) wurde eine Begleitperson mit einbezogen, in 30 Fällen (4%) fanden die Beratungen als Paargespräch statt.

Weitervermittlung

In 38% aller Fälle gab es eine Weitervermittlung. Entweder ging es darum, Ratsuchende an die entsprechend richtige Einrichtung weiterzuverweisen, z. B. an niedergelassene PsychotherapeutInnen oder stationäre Einrichtungen, oder unsere Beratung durch andere Einrichtungen/ Institutionen zu ergänzen, z. B. durch Rechtsanwälte oder Psychiater. Weiterverweisungen haben also eine Lotsenfunktion, dienen der sinnvollen Ergänzung unserer Beratungsarbeit oder stellen den sinnvollen Abschluss bzw. Anschluss an eine Beratung oder Stabilisierung von Ratsuchenden dar.




Hintergründe:
Politische Forderungen
Gewaltschutzgesetz
Wer kommt zu uns
Psychologische Hilfe für Unfallopfer
Aktuelle Standards der Traumabehandlung
Weiterentwicklung des Beratungskonzeptes

Rückblick:
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